Behind the scenes: Nati

In loser Folge stellen wir euch die Leute vor, die Uberspace für euch machen. Heute: Nati, eigentlich Natascha, die im Moment vornehmlich unsere Buchhaltungsbelege jongliert und sich darum kümmert, dass alle im Team ihre Reisekosten ausgezahlt bekommen - und dass jeder Ubernaut, der sich Guthaben erstatten lässt, das auch wiederbekommt.

So ein ganz normaler, hoffentlich guter Tag, wie sieht der bei dir überhaupt so aus?

Also ein guter Tag ist für mich immer dann, wenn ich es schaffe, so früh wie möglich anzufangen zu arbeiten. Was mir leider nicht so oft gelingt, wie ich das gerne hätte.
Ich habe ja immer wiederkehrende Aufgaben und arbeite eher für mich und muss mich mit
niemandem absprechen. Also lege ich mir am Anfang der Woche einen Plan zurecht, was ich denn gerne schaffen möchte.
Dann ist eigentlich immer ein guter Tag der, wenn ich es auch schaffe, beim täglichen Standup mitzumachen und da ein bisschen sozialen Austausch zu haben.
Seitdem wir einen Hund haben, kommen auch immer wieder ungeplante Aufgaben dazwischen und dann läuft mir schnell mal die Zeit weg. Vorher habe ich einfach so lange gearbeitet, bis ich nicht mehr mochte und jetzt habe ich eine zwingende Unterbrechung, weil ich mit dem Hund raus muss. Ich finde es aber gut raus zu kommen, deswegen sage ich, je früher ich anfange zu arbeiten, umso entspannter ist der Tag. Und abends kann ich nicht gut arbeiten.

Nun ist ja die Buchhaltung bzw. die vorbereitende Buchhaltung in vielen Unternehmen ja eher so eine abgeschottete, manchmal regelrecht ungeliebte Abteilung und die Verarbeitung von Belegen jetzt auch keine klassische Teamaufgabe wie beispielsweise die Softwareentwicklung. Was bringt dich denn im Alltag dem Team näher beziehungsweise was verbindet dich mit dem Team?

In letzter Zeit hat es sich so eingestellt, dass ich fast immer eine Karte oder Sticker bekomme, wenn mir Bewirtungsbelege oder Einkaufsbelege per Post geschickt werden. Oder einen handgeschriebenen Zettel oder ein Tütchen Blumensamen für unseren Garten. Das finde ich total süß und es ist sehr persönlich. Daran merkt man, dass es nicht ausschließlich darum geht das Geld erstattet zu bekommen.
Ich versuche im Gegenzug die Ausgaben, die aus dem privaten Geld vorgestreckt werden, so schnell wie möglich zu erstatten und bekomme eigentlich auch immer wieder das Feedback, dass alle damit sehr glücklich sind. Ich finde, wir nehmen in unserem kleinen Team viel Rücksicht aufeinander.
Wenn jemand das Geld sofort zurück braucht, dann erstatte ich den Betrag auch schon mal bevor mir die Original Rechnung vorliegt. Das ist in großen Unternehmen natürlich nicht möglich - ohne korrekte Rechnung keine Kohle, fertig.
Ich denke, daher entsteht auch dieses manchmal ungeliebte Bild von der Buchhaltung. In der Buchhaltung geht es vornehmlich um die Zahlen. Außerdem haben die Personen, die in der Buchhaltung arbeiten, meistens so viel zu tun, dass sie sich nicht darum kümmern können, warum und wieso jetzt irgendeine Rechnung noch nicht vorliegt oder vielleicht nicht korrekt ausgestellt ist. Das ist bei uns ja zum Glück nicht der Fall.

Gibt es denn irgendwelche wiederkehrenden Schwierigkeiten oder irgendwelche nervigen Sachen, die sich einfach trotz bestem Willen nicht haben ausmerzen lassen?

Was mir total sinnlos erscheint sind diese Thermopapier Belege. Die müssen im Original vorliegen und laut Gesetz für einen bestimmten Zeitraum aufbewahrt werden. Ich kopiere die dann und tacker den Original Beleg auf die Kopie, weil diese blöden Thermopapier Belege nach zwölf Monaten nicht mehr lesbar sind. Und dann denke ich, was für eine Energie-, Zeit- und Geldverschwendung, diese Belege in einen Briefumschlag zu stecken, Porto zu bezahlen und das Ganze dann auch noch auf ein DIN-A4-Blatt zu kopieren. Warum reicht das nicht auch in digitaler Form aus? Dann müssten diese ganzen Papierbelege auch nicht irgendwo abgeheftet werden. Das finde ich nervig und es ist halt auch ein Arbeitsaufwand für alle Beteiligten. Umso schöner ist es dann, wenn eine Karte oder Sticker mit dabei sind.

Lass uns doch mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Kannst du dich noch an unser erstes Zusammentreffen erinnern?

Ja, ganz genau sogar! Ich habe damals bei der webagentur Domke einen Job bekommen.
An meinem ersten Arbeitstag hat mich Peter Domke von Büro zu Büro geführt um mich allen vorzustellen. Es war ein kleines Team und die Leute in den jeweiligen Büros haben kurz Ihre Arbeit unterbrochen und sowas wie: “Hallo, Herzlich Willkommen!” gesagt und dann einfach weitergemacht. Zuletzt kamen Peter Domke und ich in dem Büro an, in dem du und noch ein anderer Kollege gearbeitet haben. Während der andere Kollege ebenfalls einfach “Hallo” gesagt hat, erinnere ich mich, dass du dich vom Rechner weggedreht hast und von deinem Stuhl aufgesprungen bist, um mich zu umarmen und dabei gesagt hast: “Herzlich Willkommen! Schön, dass du bei uns bist!”
Ich fand das so nett, weil wir uns ja überhaupt nicht kannten. So hatte mich noch nie jemand an meinem ersten Arbeitstag begrüßt, deswegen weiß ich das noch so genau. Es lag natürlich auch an der Unternehmenskultur der Firma. Das Betriebsklima war sehr locker und es waren ausschließlich sehr junge Leute, die dort gearbeitet haben.

Lustigerweise ist das für mich selber so eine Selbstverständlichkeit, jemanden, der neu dazu kommt, herzlich zu begrüßen, dass mir das überhaupt nicht so präsent in meiner Erinnerung geblieben ist. Das liegt jetzt ja auch schon ziemlich lange zurück. Was ist in der Zeit seitdem so passiert? Was hast du für Erfahrungen gemacht, was hast du gelernt, was hat sich verändert? Wir haben ja bei Domke durchaus ein paar Jahre zusammen verbracht…

Ja, ich glaube die Zeit bei Domke hat mich schon geprägt. Die Art und Weise wie wir dort miteinander gearbeitet haben, wenn ich daran zurückdenke, war das die meiste Zeit schon ein sehr guter und fairer Umgang im Team. Man hatte eigentlich auch viele Freiheiten, die keiner ausgenutzt hat und es war ein sehr eigenständiges Arbeiten.
Ich habe in den vergangenen Jahren ja auch bei anderen Firmen gearbeitet und hatte fast immer das Glück, dass ich mir meine Arbeitsplätze tatsächlich nach diesen Kriterien aussuchen konnte. So habe ich meistens in Firmen gearbeitet, wo die Leute im Team gut zusammen gepasst haben und man gut miteinander umgegangen ist.
Was mich wirklich sehr verändert hat, war die Erfahrung, wie wichtig mir meine Arbeit ist und wie sehr ich mich über meinen Job definiert habe. Bis ich dann mal eine ganze Zeit lang keinen Job hatte und dadurch in eine schwere Persönlichkeitskrise gestürzt bin.
In der Zeit als ich keine Arbeit hatte, ist mir klar geworden, dass ich eigentlich keine richtig intensiv betriebenen Freizeitaktivitäten betreibe, außer sich mit Familie und Freunden zu treffen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sehr aktiv in Vereinen unterwegs sind oder die sich neben ihrer Arbeit woanders stark engagieren und oder sehr viele Hobbies haben.
Also war mein Job immer der Ort, wo ich meine Freunde kennengelernt habe, wo ich meinen Mann kennengelernt habe, was meinen Tag geformt hat.
Meinen letzten Job habe ich gekündigt, weil ich es dort schrecklich fand und so unglücklich war, dass ich da nicht weiter arbeiten wollte. Darauf folgend kamen private Veränderungen dazu, so dass ich dann eine lange Zeit nicht berufstätig war.
In dieser Zeit habe ich festgestellt, wie wichtig es ist, dass man auch andere Interessen und Aktivitäten hat, um herauszufinden, wer man denn überhaupt ist.
Es ist ja durchaus üblich, öfter im Leben einen Job zu wechseln und daraus ergeben sich auch mal Phasen der Erwerbslosigkeit. Für diese Phasen ist es gut, wenn man sich ein soziales Umfeld aufgebaut hat, dass einen dann beschäftigt und auch eine Struktur gibt. Gerade beim Home Office arbeitet man viel für sich alleine, also muss man irgendwie zusehen, dass man Struktur in den Tag bringt und auch nicht vereinsamt.
Ich glaube, wenn ich diese Phase der Erwerbslosigkeit nicht gehabt hätte, wäre mir der Umstieg zum Home Office sehr viel schwieriger gefallen.
Ich habe jahrelang in der Position am Empfang als Front Desk Manager gearbeitet, wo ich wirklich permanent mit Menschen zu tun hatte, von der Geschäftsführung bis zum Postboten. Das heißt, ich saß an so einem zentralen Punkt in einer Firma, dass ich es gewohnt war, mich nicht darum kümmern zu müssen mit Menschen in Kontakt zu kommen, sondern eher mal Ruhe zu haben. In dieser Position bekommt man viel Aufmerksamkeit, ohne sich großartig bemühen zu müssen. Und wenn das wegfällt, dann ist da erstmal eine Lücke.

Gehe ich recht in der Annahme, dass jetzt der Hund hauptsächlich die Freizeitaktivitäten bestimmt?

Auf jeden Fall. Ich habe auch schon andere Sachen ausprobiert. Zwei Jahre habe ich einen Nähkurs gemacht und ein Jahr einen Anfängerkurs Spanisch. Ich habe auch schon öfter versucht, regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen, aber bei all diesen Aktivitäten habe ich festgestellt, dass ich dann doch lieber etwas draußen machen möchte.
Ein Hund ist natürlich schon eine Herausforderung, der kann den Alltag ganz schön durcheinander bringen. Und er ist immer da und will immer raus.
Seitdem wir den Hund haben, kenne ich sehr viel mehr Leute hier in unserem Ort als vorher, was natürlich auch lustig ist, weil ich eigentlich immer irgendwo jemanden treffe, den ich nur durch den Hund kennengelernt habe. Wobei jetzt nicht nur der Hund der gemeinsame Nenner ist, sondern interessanterweise sucht man sich schon die Leute aus, die charaktermäßig zu einem passen. Wir leben hier in einer eher ländlichen Umgebung, da gibt es auch wirklich sehr viele Leute die einen oder mehrere Hunde haben.

Was wünschst du dir denn für deine eigene Arbeit bei uns? Was müssen wir tun, damit du uns dauerhaft erhalten bleibst, gibt es irgendwas, worüber du gerne mehr lernen würdest, um deinen Arbeitsalltag auch interessant zu halten?

Ich weiß zwar nicht, wie das möglich wäre, aber ich würde mir wünschen, dass wir die Vorbereitung der Buchhaltung auf ein Minimum reduzieren könnten.
Ich hätte schon Interesse daran, mich auch mal bei anderen Projekten, wie zum Beispiel Eventplanung, Usertreffen oder Teammeeting einbringen zu können.
Im Moment ist es so, dass ich durch diese immer wiederkehrenden Fleißarbeiten wenig Zeit habe, um mich auf andere Dinge richtig einzulassen. Für die Buchhaltung gibt es Abgabefristen, die ich immer im Hinterkopf habe und bis dahin müssen die Unterlagen fertig sein. Dadurch hat die Buchhaltung immer Priorität, bevor ich mich um was anderes kümmern kann. Erstattungen für Mitarbeiter und Reisekostenabrechnungen, das ist eigentlich etwas, was ich ganz gerne mache. Das finde ich nett und es hat auch immer einen recht kurzfristigen Erfolg. Ich freue mich, wenn ich damit fertig bin und die anderen freuen sich, wenn sie ihr Geld bekommen und alles ist super.
Auf Dauer sehe ich mich jetzt nicht noch die nächsten zehn Jahre die Buchhaltungsbelege vorbereiten. Das wäre dann doch zu wenig Abwechslung.

Gibt es irgendwas, was du dir für Uberspace als Firma wünschst, für unsere Gesamtentwicklung?

Ich finde wir sind ein tolles Team und ich hoffe und wünsche mir, dass es auf jeden Fall weitergeht. Also wir müssen kein Großunternehmen werden, aber das Team könnte ruhig noch wachsen. Was mir sehr gut gefallen hat, war unsere Zukunftstagung, wo wir uns mal getroffen haben, um alle zusammen über die Entwicklung der Firma zu sprechen.
Das ist ein Treffen gewesen, was bei mir sehr viele positive Gefühle hinterlassen hat. Auch unser Usertreffen hat mir sehr gut gefallen. Und die Teamtreffen waren immer toll.
Ich würde mir wünschen, dass es uns auch in Zukunft möglich ist, solche Veranstaltungen zu realisieren. Ich finde, das fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl, weil wir zum Teil doch sehr weit voneinander entfernt leben und arbeiten.

Behind the scenes: Nati
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