Das Kapital und die Spezialdienste


TL;DR
1. Die Telekom baut auf veralteter Infrastruktur, statt Glasfaser
2. Ihre Peers bittet sie übermäßig zur Kasse
3. Pakete gehen verloren, die Kunden erhalten zu wenig Leistung
4. Content-Anbieter konkurrieren um die wenige Bandbreite
5. Nun sollen wir extra bezahlen, um nicht benachteiligt zu werden

Die verdammte Politik

Das “Netz der Zukunft” ist bei 100 MBit/s nicht gerade zukunftsfähig. Die Glasfaserleitungen könnte man auch endlich in die Häuser verlegen und ohne große Zusatzkosten Gigabit liefern. 100 MBit/s auch im Upload? Nicht mit der Telekom.

Dabei kommen oft nicht einmal die anhand des Produktes zu erwartenden Datenraten heraus, sondern sogar noch weniger. Kennt ihr das, wenn Youtube ruckelt? Das liegt nicht an Youtube, sondern an der Telekom mit ihrem Geiz beim Peering.

Wir sind sauer auf die Deutsche Telekom. Leidtragende ihrer Politik sind wir und unsere Kunden. Content-Anbieter kommen nun in Bedrängnis, weil sie für den Traffic ins Telekom-Netz extra zahlen sollen. Sonst habt ihr nämlich genauso wenig Spaß an eurem Uberspace wie an einem ruckelnden Youtube. Das lässt sich durchaus als Erpressung bezeichnen - oder als Wegelagerei, wie manche Blogs schreiben.

Aber noch ist es nicht soweit. Zumindest haben unsere Datacenter-Provider noch nicht die Preise erhöht. Daher melden wir uns nun und weisen öffentlich darauf hin, die Leidtragenden zu sein. Uberspace ist ein Provider unter vielen, die hier möglicherweise zur Kasse gebeten werden sollen.

Wo das Netz zusammen kommt

Unter Peering versteht man die Zusammenkunft zweier Internet-Provider, die ihre Netze verbinden. Dort gibt es bisweilen Engpässe. Wer die Geschehnisse im Netz beobachtet, den wird dies nicht überraschen.

Die Telekom hält also in beide Richtungen die Hand auf: zu ihren Kunden, die sie ins Internet lässt und zu ihren Peers, von denen die Kunden Daten abrufen. Die verbreitete Praxis von Internet-Providern ist es jedoch, kostenneutral Daten zwischen den Netzen auszutauschen und nur bei Traffic zu einem Dritten Netz Geld zu verlangen. Dieser so genannte Transit muss natürlich bezahlt werden, da jener Provider keine eigenen Kunden hat, die ihn für diesen Dienst entlohnen.

Es ist unfair, Geld von den Content-Providern zu nehmen. Am Ende leiden die User darunter, weil bei ihnen Youtube ruckelt, Downloads dauern, Video-Gespräche unmöglich werden, ohne dass das Modem daheim an seine Grenzen stößt.

Dies können viele sich nicht leisten, weil sie zu klein sind und Google vermutlich auch nicht - weil die User von dort natürlich enorm viel Traffic holen und die Telekom das angeblich noch mit einem Anti-Rabatt belegt und umso mehr Geld sehen will. Wofür legen die User wohl die Scheine auf den Tisch? Youtube! Sie bezahlen ihren Provider dafür, Daten von Google zu ihnen zu übertragen. Warum reicht das nicht?

Wie viel Internet ist genug?

Staatliche Förderungen gibt es anderen Ortes. In der Schweiz ist Gigabit-Ethernet über Glasfaser erhältlich für um die 60 Euro im Monat - ohne Drosselung und ohne Diskriminierung der Pakete. Rumänien hat auch sehr günstiges Glasfaser-Netz, sogar bereits ab 12 Euro im Monat.

In Deutschland bekommt man wesentlich weniger geboten. Denn auch das als ultra-schnell angepriesene VDSL mit bis zu 100 MBit/s bietet beim Hochladen nur relativ mickrige 40 MBit/s an. Wieso eigentlich? Zudem ist die Technik nicht sonderlich ausbaufähig, denn das ist schwierig über eine Leitung, die sich qualitativ von einem Klingeldraht kaum unterscheidet.

Was die Telekom hier “Quality of Service” nennt, ist pures Neusprech. Denn damit verstecken sie lediglich die Flaschenhälse in ihrem Netzwerk und lassen diejenigen Content-Provider im Regen stehen, die nicht für die Premium-Behandlung ihrer Datenpakete gezahlt haben.

Nur wenn die Kapazitäten tatsächlich ausreichen, kann man für die verlustfreie Übertragung von Datenpaketen garantieren. Und wenn man diese gewährleistet, dann lässt sich auch kein bevorzugter Transit verkaufen. Wie bei Strom- und Wassernetzen profitieren alle gleichermaßen von einer soliden Infrastruktur.

Wer peert, gewinnt!

In den meisten Fällen lohnt sich das Peering für beide beteiligten Provider und so gibt es schon seit langer Zeit überall auf der Welt so genannte Internet Exchanges; das sind spezialisierte Dienstleister, die Providern ein Peering über ihre dazu gebaute Infrastruktur ermöglichen. Beim größten deutschen Exchange, dem DE-CIX in Frankfurt hat die Telekom verspätet auf 20 GBit aufgerüstet. Mehrere hundert wären angemessener gewesen. Das kostet keine Milliarden.

Und wenn schon. Über den Verkauf von DSL-Anschlüssen sollte eigentlich das Geld bereits geflossen sein und die Telekom steckt es auch in den Netzausbau, beschränkt diesen jedoch auf das eigene Netz. Die Init7 AG schreibt auf ihrer Website sehr anschaulich, wie das Problem aus Sicht der Carrier aussieht und warnt eindringlich vor dieser Entwicklung.

Unsere Datacenter-Provider geben uns Zugang zum Telekom-Netz. Plus.line, Uvensys und RH-Tec sind alle drei gepeert. Das heißt, dass wir in deren Datacenter etwas besser abschneiden, als bei vielen anderen Providern, die nur über den DE-CIX oder andere Exchanges mit deren Netz verbunden sind.

Sollte es zu Engpässen kommen, dann können wir also erst einmal nichts weiter tun. Wir hoffen, dass es durch die direkten Peerings nicht so weit kommt und wir hoffen, dass wir in Zukunft nicht für den Traffic zur Telekom gesondert zur Kasse gebeten werden. Vor allem aber hoffen wir, dass sich das Blatt wendet und die Deutsche Telekom ihre Umsätze in den Ausbau von Peering-Kapazitäten investiert.

Was das für Uberspace bedeutet

Bei Gesprächen mit einem unserer Datacenter-Provider haben wir erfahren, dass der teuerste Part an der uns bereitgestellten Anbindung das direkte Telekom-Peering ist. Wenn wir darauf verzichten und den Traffic ins Telekom-Netz über Dritte routen lassen, können wir angeblich 50% der Kosten einsparen. Darauf gehen wir selbstverständlich nicht ein.

Wenn wir darauf eingingen, dann nähmen wir bewusst in Kauf, das Pakete verloren gehen. Das ist, als ob man eine kaputte Netzwerkkarte weiter betreibt, weil man nicht dazu bereit ist, eine neue anzuschaffen. Nur leider geht es hier nicht um einen einmaligen Betrag, sondern um laufende Kosten, die zukünftig noch höher werden sollen.

Wir können es uns nicht leisten, im Rennen gegen etablierte Provider eine Chance zu haben, wenn die Startplätze doppelt bezahlt werden müssen. Wir fordern, dass die Regulierungbehörden hier eine Grenze einziehen, damit wir auf Dauer bezahlbare Leistungen anbieten können. Die künstliche Verknappung beim Peering darf nicht geduldet werden.

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