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Geplante Obsoleszenz oder Fehlkonstruktion?

Vor einigen Wochen ist uns in unserem Rechenzentrum eine über das Netz schaltbare Steckdosenleiste abgeraucht und hat dabei 24 Server abgeschaltet. Die Folgen waren: Downtime der Server für mehrere Stunden (wobei ein Großteil Server mit Failover-Partner waren), 4 kaputte Festplatten und der damit verbundene Ärger und zu guter Letzt der Nachteinsatz mehrerer Kollegen, und das alles nur weil eine Steckdosenleiste von jetzt auf gleich den Betrieb einstellen wollte.

Alleine den Ausfall der Steckdose halte ich persönlich für eine Unding - es handelt sich schließlich um ein 1000-Euro-Gerät einer namenhaften Firma. Hier würde ich erwarten, dass ein Defekt im Gerät nicht die Funktion der gesamten Leiste zum Erliegen bringt. Einzelne Ports vielleicht oder der Verlust der Schaltbarkeit würde ich ja noch akzeptieren, aber dass das Ding einfach ausgeht: Nun ja. Nicht weiter darüber aufregen.

Nachdem ich dann gestern wieder einmal im RZ war, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, dachte ich mir, nehme ich das Ding mal mit nach Hause und schaue mir an, was denn da kaputt gegangen ist. Aber seht selbst:

Zu sehen ist der Anschluss des Stromkabels auf der Platine. Der eigentlich flexible braune Draht der Stromzufuhr ist vollkommen hart geworden und am Anschluss auf das Board sieht man deutliche Hitzeeinwirkung, so dass die Isolierung von Draht und Kabelschuh schon komplett weggeschmort ist. Zunächst war meine Vermutung, dass die Hitze von den dahinterliegenden Spulen ausging. Da aber auch der andere Draht der Stromzufuhr im Bereich des Kabelschuhs angeschmort war, musste das Problem vom Draht selbst ausgehen.

Im Grunde ist die Antwort recht einfach. Bei dem Anschlusskabel handelt es sich um 3 mal 1,5 mm² Kabel, also einem Kabel mit drei Drähten, von dem zwei stromführend sind und einen Leiterquerschnitt von 1,5 mm² haben. Ein solches Kabel kann im Normalfall (bei Verlegung an freier Luft) und bei dieser Länge ohne Weiteres mit 16 A belastet werden. Dies ist auch die ausgewiesenen Maximalbelastung der Leiste und auch der Sicherung, an der sie hängt. Wenn ein solcher 1,5 mm² dicker Draht aber in einem Gehäuse verbaut ist, stark gebogen wird und auch noch der Querschnitt durch Abisolierung und Aufpressen eines Kabelschuhs verändert wird kann man davon ausgehen, dass der Draht etwas wärmer wird. Wie man sehen kann, wohl etwas zu warm, da es ja nun die Isolierung des Kabels gebeutelt hat. Wohlgemerkt betreiben wir die Leisten bei einer Belastung von ca. 9-10 A, also alles andere als knapp am Limit.

Interessant wird das Ganze aber erst, wenn man sich die restliche innere Verkabelung ansieht. Diese ist komplett in 2,5 mm² Kabeln ausgeführt. Sprich, dem Hersteller ist wohl bekannt, dass Strom in einem Kabel Wärme erzeugen kann, spart aber die 3 Mark 50 für das Anschlusskabel. Oder steckt da ein System dahinter? Wir wissen es nicht, werden aber sukzessive prophylaktisch auch die weiteren Steckdosenleisten gleichen Typs in der nächsten Zeit auswechseln.