Mit dem Jobrad ins Büro

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem günstigen Fahrrad für den Winter. Irgendwie muss man als oft vor dem Rechner sitzender Admin ja fit halten. Die durch viel Schweiss und etwas Disziplin im letzten Jahr verlorenen 12kg sollten über den Winter ja nicht schleichend eine Rückkehr feiern können.

Nachdem es im letzten Sommer bereits ein modernes Alu-Rennrad wurde, gesellte sich im Herbst ein klassischer Stahl-Renner zu meiner Sammlung.* Im Winter sollte es dann aber ein Fahrrad mit Profilreifen und Scheibenbremsen werden, dem auch Schlamm, Schnelligkeit, holpriges Gelände und die Kombination aus all dem nichts ausmachen. Zuerst liebäugelte ich mit einem Mountainbike, dann erschien mir die Faktoren bequemer Sitzposition und agilere Lenkung eines Rennrads aber doch als die bessere Option.

Damit stand bereits fest, dass ich mich nach einem Crosser umschauen muss. Ein Cyclocross-Rad, wie sich die Fahrradklasse mit vollem Namen schimpft, besteht im Grunde genommen aus allen Komponenten eines Rennrades, ist aber etwas stabiler, etwas weniger auf Leichtigkeit getrimmt und kommt stattdessen mit breiteren Profilreifen daher. Neuere Modelle bekommen auch gleich Scheibenbremsen statt der altbewährten Cantilever-Bremsen.

Mit diesem Entschluss im Hinterkopf begab ich mich dann für die erste Beratung zu einem lokalen Fahrradhändler, der mich auch prompt davon überzeugte, dass eine Person mit >100kg von einer Seilzug-betriebenen Scheibenbremse nicht gehalten werden kann. Anhand eines Ausstellungsstücks habe ich das auch am eigenen Leib erleben dürfen: Die Scheibe schliff ein wenig, das Rad verringerte langsam seine Geschwindigkeit - von einem Bremsvorgang war das aber zu weit entfernt. Wer mehr als 95kg wiegt und damit den Abhang runter fährt, sollte über einen vorherigen Besuch beim Notar nachdenken, um den Nachlass zu regeln.

Ich musste ich mich notgedrungen im hochpreisigeren Segment umsehen, denn Crosser mit Felgenbremsen werden auch im Einsteiger-Segment nicht mehr hergestellt. Zur Auswahl stand noch ein kostspieliges Upgrade der Seilzug-Scheibenbremse auf die semi-hydraulische Scheibenbremse HY/RD von TRP, doch auch die hat den Preis meiner Wunschräder bereits auf ~1600€ erhöht. Der Schritt zum 2015er Cannondale CAADX mit SRAM Rival-Gruppe und somit der voll-hydraulischen Bremse erschien mir da finanziell nicht mehr viel schmerzhafter.

Foto vom CAADX am Gleis des Düsseldorfer Hbf Mit dem CAADX auf dem Weg nach Berlin

Der Clou ergab sich dann aber erst bei der weiteren Plauderei mit dem Händler. Der wies mich nämlich darauf hin, dass er mit Jobrad koopiere, für den Fall, dass ich entweder selbstständig bin oder "einen coolen Chef" habe. Jobrad greift nämlich das Konzept des Firmenwagens auf und überträgt es auf ein Fahrrad, was erst seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2012 möglich ist. Bisher wird dieses Konzept nur von der Firma LeaseRad GmbH unter dem Label "Jobrad" angeboten. So ein Fahrrad wird dann nämlich vom Bruttogehalt bezahlt und nicht vom Netto-Gehalt, wie es bei einer privaten Finanzierung der Fall wäre.

Rein rechnerisch spart man also, je nach Gehalt und Steuerklasse, etwa 30% des Kaufpreises, verteilt auf 3 Jahre Laufzeit. Nach Ablauf des Leasing-Vertrages steht es einem dann frei, sich entweder für das nächste Neurad zu entscheiden oder das Rad für den pauschalen Restwert von 10% des ursprünglichen Kaufpreises aus dem Leasing zu kaufen. Während der Laufzeit ist das Rad auch noch vollkasko- und Diebstahl-versichert. Wenn das an einem festen Gegenstand abgeschlossene Rad also geklaut wird, kriegt man es zeitnah erstattet. Das ist bei einer Investition für 3 Jahre durchaus wichtig, gerade wenn in Düsseldorf in absoluten Zahlen rund 4500 Fahrräder im Jahr als gestohlen gemeldet werden und man aus dem eigenen Umfeld bereits so einige Horrorgeschichten von aufgebrochenen Kellern kennt.

Nach etwas Recherche war dann nur kurzem Zweifeln auch klar, das das Angebot von Jobrad ein durchaus seriöses ist; eine Einschätzung, die auch Jonas teilte, der kurzerhand Partner von Jobrad wurde und allen Kollegen anbot, sich ebenfalls ein Dienstfahrrad zuzulegen.

Nach einigem vertraglichen Hin und Her ging das Cannondale CAADX dann auch in meinen Besitz über und hat sich auch über den Winter hinaus als treuer Gefährte bewährt. Ganz so schlimm wie erwarteterhofft wurde der Winter leider nicht, so dass ich mit dem CAADX kein Vikingbiking praktizieren konnte, stattdessen musste ich mir aber noch eine Regenhose zulegen und an einigen Tagen wäre die Fahrt ohne zusätzliche Klick-Schutzbleche eine eher versaute Angelegenheit geworden. Und natürlich fahre ich das Rad auch noch im Sommer.

Foto vom CAADX vor einer Bäckerei

Leider ergaben sich mit dem Rad einige Komplikationen, so dass es mehrfach in die Reparatur musste. Die Kurbel löste sich am 2. Tag nach dem Kauf während der Fahrt, so dass ich die Nacht im Krankenhaus verbracht habe. Dafür habe ich von Cannondale dann als Entschädigung eine hochpreisige, ultra-leichte Ersatz-Kurbel bekommen. Auch die hintere Felge schien nicht ganz in Ordnung, so dass während der Fahrt spontan einige Speichen gebrochen sind. Inzwischen hat mein Händler aber auch das behoben, indem er mir kurzerhand, ganz unkompliziert vorübergehend einen neuen Vision Team30-Laufradsatz mit sehr solide wirkenden Messerspeichen verbaut hat, der vom reinen Fahrgefühl her einen deutlich stabileren Eindruck macht. Leider verzog sich hier am beim Bremsen aber die Frontfelge, so dass Cannondale mit einem solideren Laufradsatz von Mavic nachlegen musste. Mit diesem scheint die Misere dann aber auch beendet und ich kann endlich sorglos mit dem Rad durch die weniger gut beschaffenen Wege sprinten, um ins Büro zu fahren.

Das CAADX mit dem neuen Laufradsatz

* Etwas gefühlsduseliger gibt's dazu in meinem privaten Blog noch einen längeren Text in englischer Sprache, falls irgendwer sich für meine Fahrrad-Leidenschaft und einige schöne Fotos eben jener interessiert.