­čî┤ Telearbeit unter Palmen

Wir bei Uberspace haben - wie ihr vielleicht wisst - kein festes gemeinsames B├╝ro (Die Firmenanschrift in Mainz ist lediglich Jonas' Anschrift, bei der wir uns zwar alle ab und zu einfinden, dann aber nicht direkt bei ihm einziehen), sondern arbeiten an ganz unterschiedlichen Orten: Von Zuhause, wo das Fahrrad uns hintr├Ągt, im Coworking Space, auf dem Sofa, im Caf├ę, im Garten, kurz gesagt: Wo wir eben wollen und wo es Internet gibt. Nachdem ich letztes Jahr bereits einen Monat mit meinem Rucksack durch Thailand geschlendert bin, habe ich dieses Jahr das Experiment gewagt, das Angenehme mit dem N├╝tzlichen zu verbinden, aus einem Monat Aufenthalt zwei Monate zu machen und zwischendurch auch mal zu arbeiten.

Hier mal ein paar Gedankeng├Ąnge und Erfahrungen, die ich in den 1┬Ż Monaten, die ich bereits im Land bin, gesammelt habe. Das wichtigste nat├╝rlich zuerst:

Das Internet

Oder besser gesagt: Die Anbindung ans Internet. Man sollte meinen, dass die Infrastruktur in Thailand der in Deutschland unterlegen ist. Aber weit gefehlt! Glasfasern, wohin man schaut, LTE fast ├╝berall (selbst auf dem Land und in Z├╝gen!), funktionierendes 3G. Seit dem ich in Thailand bin, habe ich nicht ein einziges Mal EDGE oder gar 2G auf meinem Handydisplay gesehen. Hier k├Ânnen sich so manche alle Deutschen Provider eine Scheibe abschneiden. Preislich liegen 12gb ohne jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung bei 799 Bath (das sind knapp 20ÔéČ). Spannend hier ist die Drosselung auf 384 kbit/s nach Verbrauch des Inklusivvolumens. Nat├╝rlich habe ich die 12gb geknackt, aber erst nach 13gb ├╝berhaupt gemerkt, dass ich ├╝berhaupt gedrosselt wurde.

Das jegliche Fehlen von Netzneutralit├Ąt hat spannende Ausw├╝chse.

Spannend auch die Pakete, die ├╝ber die App des Netzbetreibers buchbar sind. Hier h├Ąlt man nicht viel von Netzneutralit├Ąt, ├Ąhnliche Ausw├╝chse werden wir dann realistischerweise auch bald in Deutschland beobachten k├Ânnen.

WLAN macht keinen Spa├č.

So gut das LTE ist, so schlecht ist das WLAN an den meisten Orten. Und wenn wir mal ehrlich sind, reichen 12gb nicht wirklich f├╝r den tagt├Ąglichen Gebrauch aus; vor allem, wenn man einen Haufen RPMs durch die Gegend schiebt und mit VMs arbeitet (Uberspace 7 anyone?), ab und zu ist man dann also doch mal auf das WLAN angewiesen - und das l├Ąsst einen meistens im Stich.

W├Ąre ich l├Ąnger als ein paar Tage an einem Ort, w├╝rde ich mir wohl einen Coworking Space suchen und das Problem h├Ątte sich erledigt. Aber dann h├Ątte ich auch gleich zuhause bleiben k├Ânnen, schlie├člich bin ich nach Thailand geflogen, um zu reisen. Und mit genug Geduld und Spucke (und Wechsel des Caf├ęs bis es ordentliche Bits gibt) hat bisher alles immer geklappt. Irgendwann.


Die Zeitverschiebung

Nicht nur der Ort unseres Schaffens bleibt uns ├╝berlassen, sondern auch die Zeit, die wir in unsere t├Ągliche Arbeit investieren. Das beinhaltet nat├╝rlich auch, wann wir anfangen zu arbeiten und wann wir die Segel streichen. Grunds├Ątzlich bin ich - im Gegensatz zu den meisten meiner Kollegen - eher ein Fr├╝haufsteher und fange meist zwischen 8 und 9 Uhr an und h├Âre dementsprechend am Nachmittag auch wieder auf. In Deutschland ist das kein Problem, morgens sind wir meistens zu zweit oder dritt unterwegs und k├╝mmern uns um alles, was so anf├Ąllt. Wir haben jeden Tag um 15 Uhr ein kurzes Standup-Meeting, denn 15 Uhr ist so fr├╝h oder eben sp├Ąt, dass es in die meisten unserer Tagesabl├Ąufe passt. Irgendwann zwischen Mittag und fr├╝hem Nachmittag ├╝berschneiden wir uns dann irgendwie meist alle in unserer Anwesenheit und sind gleichzeitig online. So weit, so gut, so normal.

Nun habe ich hier eine Zeitverschiebung von -6 Stunden und fange trotzdem lieber fr├╝h als sp├Ąt an, was darin resultiert, dass ich hier zwischen 2 Uhr und 3 Uhr morgens deutscher Zeit manchmal schon Kundenanfragen beantworte (falls sich jemand in letzter Zeit dar├╝ber gewundert haben sollte: Hier ist des R├Ątsels L├Âsung). Das hei├čt aber auch, dass ich den Gro├čteil meiner Arbeitszeit alleine im Slack unterwegs bin und leider nicht so viel Kontakt zu meinen Kollegen habe, wie ich mir das vielleicht w├╝nschen w├╝rde oder wie ich es gewohnt bin. Das Standup verschiebt sich f├╝r mich auf 21 Uhr, eine Uhrzeit, zu der ich meistens unterwegs bin und schon lange nicht mehr arbeite. Ich mache bereits Feierabend, wenn die meisten meiner Kollegen gerade fr├╝hst├╝cken. Das sind alles keine ernsthaften Probleme, war mir aber nicht so pr├Ąsent. Auf Dauer w├╝rde ich wohl meinen Rhythmus anpassen, denn ein bisschen Kontakt untereinander ist schon nett, vor allem, da wir eh ├╝ber ganz Deutschland (oder jetzt eben ├╝ber die ganze Welt) verteilt sind und der interne Chat meistens unsere einzige Schnittstelle in der t├Ąglichen Routine darstellt.


Die Routine

Menschen sind bekannterma├čen Gewohnheitstiere und orientieren sich gerne an Routinen. Manche kommen besser ohne feste Tagesabl├Ąufe zurecht, andere schlechter. W├╝rde ich eine Umfrage unter meinen Kollegen starten, bek├Ąme ich vermutlich 8 grundunterschiedliche Antworten. Mir pers├Ânlich geht es besser, wenn ich weiss, dass ich zum Zeitpunkt X anfange zu arbeiten, irgendwann eine Pause mache und dann dementsprechend zum Zeitpunkt Y Feierabend machen kann. Das klappt aber nicht so gut, wenn man keinen festen Schreibtisch hat, in einer Bambush├╝tte in einer nicht sonderlich ruhigen Ecke des Landes untergekommen ist und sich unter eine Horde Backpacker gemischt hat. Das ist alles sch├Ân und gut und sehr empfehlenswert aber eben schlecht f├╝r die Effektivit├Ąt. Meine Erfahrung hat mir gezeigt: Wenn wirklich sicherheitsrelevante ├änderungen auf dem Plan stehen, brauche ich pers├Ânlich immer etwas mehr Ruhe und Abstand zur Zivilisation (was dank LTE kein Problem ist).
Es m├╝ssen nicht immer 5 Sterne sein.


Gute Idee?

Ich kann jedem, der (trotz|wegen|f├╝r) Arbeit die M├Âglichkeit zu Reisen hat, nur ans Herz legen, davon Gebrauch zu machen - vor allem, wenn man sein eigener Chef ist oder ein so freies Arbeitszeitmodel hat, dass es sich so anf├╝hlt. Nat├╝rlich geh├Ârt eine gewisse Portion Selbstdisziplin dazu (und ich bin mir sicher, dass ich produktiver w├Ąre, wenn ich in meinen eigenen vier W├Ąnden arbeiten w├╝rde) und man muss Abstriche machen. Das, was man daf├╝r bekommt, f├╝hlt sich dann aber meistens wie Urlaub an und l├Ąsst sich ganz einfach in Zufriedenheit umrechnen. Und ich bin froh, f├╝r einen Arbeitgeber zu arbeiten, der die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter vor deren Effektivit├Ąt setzt.

Gute Idee, gerne wieder (vermutlich n├Ąchstes Jahr).