Write the Docs Europe 2016 in Prag

Jonas und ich waren in der letzten Woche in Prag, um die Write the Docs Europe zu besuchen. Es war für uns beide die erste Write the Docs und, um das schonmal vorwegzunehmen, sicher nicht die letzte!

Warum eine Doku-Konferenz?

Wir wollen unsere Dokumentation verbessern. Nicht, dass sie schlecht wäre, wirklich gut ist sie aber eben auch nur bedingt. Ich weiß, viele von euch mögen sie sehr und ich auch, aber unsere wachsende Popularität stellt uns da gleich vor mehrere Herausforderungen:

Neue User, andere Ansprüche

Unsere Userbasis verändert sich. Machten früher Hier-hast-Du-Shell-mach-mal-Geeks das Gros unserer User aus, so bewegt es sich inzwischen hin zu technisch zwar durchaus interessierten, aber eben im Umgang mit der Shell weniger praxiserprobten Usern. Oder solchen, die einfach ob unserer Philosophie bei uns hosten wollen, aber eben mehr Anleitung brauchen. Um da keine künstlichen hohen Hemmschwellen entstehen zu lassen, müssen solche User mit einer maximal simplen Doku schon vorher abgeholt werden, ohne dass die technische Tiefe dabei verlorengeht.

Let's get international

Unsere Doku gibt es nur auf Deutsch. Warum eigentlich? Darüber machen wir uns ja schon länger Gedanken, aber haben auch viele der dort genannten Punkte noch einmal einer Prüfung unterzogen, ob wir sie heute noch genauso sehen wie damals. Ohne auf jeden Punkt einzeln einzugehen: Wir wollen es nun angehen. Unser Produkt ist doch bereits international verfügbar, Englisch ist bei jedem Spaziergang über die Kommandozeile allgegenwärtig, man denke zum Beispiel nur mal an all die schönen Fehlermeldungen. <3 Für User, die des Deutschen nicht mächtig sind, haben wir aber aktuell mal gar nichts an Doku zu bieten. Daher, so der Plan, holen wir nun Englisch als zweite Sprache ins Boot und bekommen mehr international.

Ja, große Baustelle, wissen wir. Aber wo doch der Fußboden gerade neu verlegt wird, können halt auch gleich ein paar Kabel verstecken, bevor es später komplizierter wird.

Darum eine Doku-Konferenz!

Vor diesem Hintergrund dachten wir uns, wir könnten uns dort bestimmt einen guten ersten Eindruck davon verschaffen, wie so etwas anzugehen ist und was es so für Tools geben könnte, von deren Einsatz wir profitieren können und wie wir am geschicktesten dafür Sorge tragen können, dass unsere Doku auch geordnet mitwächst. Also schaun ma moi.

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Um etwas zur Konferenz an sich zu sagen, muss mich hier als Erstes mal am Artikel meines Kollegen Mic zur Velocity Conf bedienen; es waren drei Tage hach <3. Noch nie zuvor war ich auf einer Konferenz, die so derart gut organisiert und gleichzeitig so wenig "enterprisy" war wie diese.

Es gab ein zwar recht straffes Programm, das, ob der jeweils 10 minütigen Pause für den Sprecherwechsel, auch zeitlich genau eingehalten wurde, weil auf die sonst üblichen, nie zeitlich zu kalkulierenden, Fragen aus dem Publikum, einfach ganz verzichtet und stattdessen darum gebeten wurde, den Sprecher bei nächster Gelegenheit aus nächster Nähe zu fragen. Gut für Sprecher, Fragenden, Publikum und Zeitplan. Wenn doch mal ein Sprecher etwas überzogen hatte, wurde die Zeit einfach dem Sprecherwechsel abgezogen und dies auch so angesagt. So startete einfach jeder Talk pünktlich. Ja, jeder!

Auf der anderen Seite, gab es aber auch Freiraum für jeden und alles. Räumlichkeiten, die jederzeit zum einfachen Austausch genutzt werden konnten, teils mit dezent vorgegebenen "unconference"-Rahmen, aber eben auch für völlig freien und spontanen Austausch oder Kollaboration standen immer Tische mit ausreichend Strom und Internet zur Verfügung.

Klar, bei 240 Teilnehmern ist so etwas natürlich leichter zu organisieren als bei wirklich großen Konferenzen, aber es war einfach überall zu spüren, wie durchdacht alles war und mit wie viel Liebe zum Detail sich der "be excellent to each other"-Gedanke selbst bis auf die Toiletten trug.

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Sogar einen extra Raum für Teilnehmer, die gerade Ruhe brauchten und explizit nicht angesprochen werden wollten, wurde am zweiten Tag, wohl aus einem Bedarf heraus, kurzerhand geschaffen.

So ein Knackpunkt in Konferenzrahmen ist ja häufig das Catering. Hier nicht, einfach super, die ganze Zeit verfügbar und ein sehr aufmerksamer Service dazu.

Diese ganzen Umgebungsvariablen haben ein echt tolles miteinander der Konferenzteilnehmer geschaffen. Zwanglos, offen, kommunikativ und excellent to each other.

Auch fachlich sind wir voll auf unsere Kosten gekommen. Nicht nur, dass wir uns über viele gute Gespräche, hier vor allem mit Teilen des überaus netten und hilfsbereiten Technical-Documentation-Teams von SUSE (DANKE <3), an die wohl richtige Software für uns, Sphinx, herangetastet haben, wir haben auch so viele gute Ideen mitgenommen, was die richtige Umsetzung von Dokumentation und deren Integration als fester Bestandteil in unsere, ja ohnehin gerade erst wachsende, Prozessstruktur angeht, dass ich diese Konferenz als vollen Erfolg werten möchte.

Auch wieder Zuhause angekommen, tragen diese Eindrücke noch sehr, und mit der Umsetzung des Mitgebrachten wurde an einigen Stellen schon direkt begonnen. Ich glaube, wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und bin zuversichtlich, dass sich das bald auch für euch bemerkbar macht.

Stay tuned!